Sonntag, 2. August 2015

geschwisterfrage.

so langsam werden alle mamis aus dem geburtsvorbereitungskurs und der sonstigen umgebung wieder schanger. als ob es ein naturgesetz wäre das man nach spätestens 2 jahren nach der geburt des ersten kindes nochmal nachlegen muss. ständig ibin ich mit dem satz "ihr wollt doch bestimmt auch noch ein zweites kind" konfrontiert. wenn ich dann mit den schultern zuckt und ein "ich weiß nicht" hinterherschiebe werde ich erstmal ganz groß angesehen.

"ja aber ein kind braucht doch geschwister" ist dann gleich der nächste satz. echt? das xpe hat keine leiblichen geschwister und ist auch groß geworden. klar wäre es in manchen situationen vielleicht ganz schön gewesen und vielleicht hätte ich dann früher gelernt zu streiten, aber vielleicht hätte ich mein geschwisterchen auch nicht leiden können. mein mann hat zwei geschwister und nichts mit ihnen gemeinsam außer dem nachnamen.
das was das ich von anderen mitbekomme sind zankende, sich schlagende geschwister, die sich an vielleicht 60 minuten in der woche gut verstehen und die mutter fungiert immer als schiedsrichter in der mitte. ist das echt cool für ein kind? jahrelange geballte streitkultur erleben nur um dann vielleicht später im leben damit besser umgehen zu können? oder kann man sein kind auch einfach dahingehend erziehen sich solchen situationen selbstbewußt und durchdacht zu stellen?

"dein kind wird viel sozialer mit einem geschwisterchen". meine tochter ist die ganze woche in einer kita und spielt dort hervorragend mit den anderen kindern. sie kann super teilen und sich aber auch behaupten wenn es angebracht ist. entgegen der meinung von vielen das die entwicklung besser ist mit einem geschwisterchen kann meine tochter mit 1,5 jahren bereits in vollständigen sätzen reden und kann mir genau mitteilen welche bedürfnisse sie wann hat. sie spielt rollenspiele in der kita, hört sich komplette hörspiele an, kann bis 10 zählen und rechts von links unterscheiden. also vermute ich das sie ganz gut entwickelt ist.
wenn sie den ganzen tag in der kita war braucht sie danach meine volle aufmerksamkeit und liebe, die ich ihr unendlich gerne gebe. ich kann stundenlang mit ihr in der hängematte liegen und bücher vorlesen und dabei ihren kopf streicheln. ich habe sie gerne nachts an meiner seite, ihren kopf an meiner halsbeuge, meine nase in ihren haaren. wenn da noch ein kind wäre, das erfahrungsgemäß alle aufmerksamkeit im ersten jahr benötigt, wo wären dann diese momente mit meiner tochter? wann könnte ich sie voll und ganz genießen und sie mich? sie hätten dann zwar sich gegenseitig, irgendwann, aber auf kosten der mama-kind-zeit.

"aber willst du das denn nicht für dich? nochmal schwanger sein und ein kind auf die welt bringen? und nochmal so was kleines..." ich fand die schwangerschaft nicht besonders cool und auch die geburt war nicht der moment der erleuchtung in meinem leben. ich hatte einen kaiserschnitt, finde das aber entgegen der meinung vieler nicht schlimm. ich muss auch nicht mit einer zweiten geburt die erste "aussöhnen". das erste jahr fand ich anstrengend, stillen doof. ich schlafe immernoch nicht durch und meine figur hat ebenfalls nicht mehr die alte form. mit dem "kleinen" konnte ich nicht so viel anfangen. ich bin keine singsang mutti und wußte die meiste zeit nicht was ich mit dem kleinen töchterchen anfangen soll. ich litt unter häufigen selbstzweifeln, fühlte mich nicht geschätzt. das nochmal?

ich fasse gerade wieder fuß in der arbeitswelt und liebe es. ich kann darüber nachdenken ob ich in 1-2 jahren wieder vollzeit einsteige und eben doch noch ein bißchen mehr verantwortung im job übernehme.

endlich gibt es mehr freiheiten. meine kleine kann sich für einen bestimmten zeitraum allein beschäftigen. sie läuft und ich muss nicht überall den kinderwagen mit hinschleppen. ich kann abends mal weggehen oder mit meinem mann ein wochenende allein planen.

hier sind viele ichs. aber es geht eben auch um mich. um mich und meine tochter und meinen mann.
und vielleicht sind wir drei uns einfach genug.

Kommentare:

  1. Ich finde deine Gedanken toll. Und genau so, wie andere Mütter "für sich" noch eines nachlegen, kannst du für dich bestimmen, dass du dies nicht willst und tust. Und wenn dir Egoismus vorgeworfen wird, dann lächle bitte nur mitleidig. Wenn man denn "Egoismus" in die Runde werfen will, so ist es genau so egoistisch, zehn oder gar keine Kinder zu haben, wie nur eines, weil wir letztendlich doch für uns entscheiden.
    Lies hierzu doch vielleicht diesen Post:
    http://samtpfotenmitkrallen.blogspot.ch/2014/03/gedanken-zum-tag-der-frau.html

    Alles Liebe und du machst es genau richtig. Egal, wie du dich am Ende entscheidest
    Livia

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  2. Es sind gar nicht viele Ichs. Sieh es mal so: Nur wenn du machst, was dir / euch gut tut, dann wird es auch deiner Tochter gut gehen. Sprich: Geht es dir gut, geht es der Tochter gut. Man muss kein zweites Kind bekommen, nur weil man dazu genötigt wird bzw. andere es erwarten. Ein Kind ist auch keine Geschenk, sondern verdammt harte Arbeit, wenn ein vernünftiger Mensch draus werden soll. Ich fand auch weder Schwangerschaft noch Geburt sonderlich toll. Hab mir auch nie gewünscht, dass Tochter noch mal klein wäre. Mach ich heute noch nicht und heute ist sie 28. Ich kann dich also nur zu gut verstehen. Diese Art von Egoismus ist in meinen Augen mehr als erlaubt, denn man ist nicht nur Mutter - man ist vor allem noch ein eigenständiger Mensch und darf sein eigenes ICH nicht permanent hinten an stellen. Das ist weder für dich, deinen Mann noch dein Kind wirklich gut. Also lass dich nicht verrückt machen.

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